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Kennen Sie das?

Diesen kurzen Moment von 2 Sekunden, der einem wie zwei Stunden vorkommt. Dieser Augenblick, in man all die Dinge sieht, die man tun hätte können oder machen hätte lassen sollen. Dieser Sekundenbruchteil, in dem das gesamte Blut aus dem Kopf rauscht und die Augen gebannt in die Ferne starren, und im Augenwinkel die knochenweißen Knöchel, die verkrampft auf dem Lenkrad kleben, erkennen. Dieser kurze Schreckensmoment, in dem man denkt, etwas weiter rechts zu fahren, um dem bösen Hindernis auszuweichen, und daran, dass man der Oma letzte Woche eine Karte zum Geburtstag schicken hätte sollen. Kennen Sie das? Ich nicht.

Doch als ich mitten in der Nacht am rechten Rand der B leck mir die Eier stand, und völlig adrenalinüberdosiert auf den Henkersmann wartete, war mein gesamter Körper die Manifestation des menschlichen Schockzustands, verzweifelt darum bemüht, die lächerliche Fassade eines lässigen, und völlig unschuldigen Bürgers zu geben.

Es klopfte ans Fenster, und ich richtete, nicht zu hastig, nicht zu langsam…

…ok viel zu langsam, meinen Blick auf den Polizisten der ungeduldig vor meinem Fenster stand. Wir beeäugten uns kurz, dann sagte er dumpf durch die Fensterscheibe:

 

„Na aufmachen müssens schon!“

 

Achso, meine ich, nervös lachend, und kurble das Fenster runter.

 

„Wie schnell war ma den?“

 

Das weiß ich nicht genau, aber eh nicht sooo schnell, stammle ich lässig, und suche zitternd meinen Führerschein.

 

„Ein Neuling!“

 

Er sagt das mit dieser arroganten Scheissart, die nur Beamte haben können.

 

Ijaaa, gebe ich zu, erst seit letzter Woche.

 

„Naguat!“

 

Hoffnung keimt in auf.

 

„Da hams noch amal Glück ghabt“

 

Ein Silberstreif am Horizont.

 

„Aber bei wem andern!“

 

Glückshormone fließen in mein Gehirn.

 

„Ab jetzt fahrns aber brav!“

 

Ja ok, stammle ich, und auf Wiederschaun, diesmal aufgrund des Glücks und nicht der Angst. Ich warte bis das nette Staatsorgan vor mir weg fährt und lege den ersten Gang ein.

 

„HAHA“ denk ich mit Stolz geballter Faust, ganz genau weiß ich wie schnell ich war! Einundsechzig warns, genau drüber, über die erlaubten Sechzig. Aber gewonnen hab ich, getäuscht hab ich, dieses scheiss arrogante Straßenorschoch, dem hab ichs gezeigt!

 

Der Polizist biegt ab und ich geb, im Siegestaumel, noch mal ordentlich Gas.

BAM BAM BAM in meinem Hinterkopf schallen die Trompeten, und ich höre einen Siegesmarsch erklingen, einzig und allein komponiert um meinen glorreichen Sieg zu verkünden. Gleich twittern, denk ich und krame nach dem Handy.

 

Da blicke ich auf, und die Zeit dehnt sich ins Unendliche. Ein Baum steht da, wo der Straßenasphalt sein sollte und ich beginne, zu denken.

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Kauft meine Bücher!

  •  Ich
  • Die breite Masse der Im-Strom-Schwimmer.
  • Die ein bisschen weniger breite Masse der Gegen-den-Strom-Schwimmer.

Ist doch so, oder nicht.

Heute Morgen, bei einem beherzt-schläfrigen Blick auf die Nespresso-Espresso-Kafeemaschine ist mir folgendes aufgefallen:

Jeder Mensch, egal wie groß, klein, dürr, fett, gläubig-gläubig, ungläubig-gläubig, superintelligent oder strohdumm, faul oder ehrgeizig, reich oder bitter-bitter arm, ach jeder, jeder Mensch ist ein Heuchler.

Du, verehrter Leser bist ein Heuchler, dein Nachbar ist ein Heuchler, deine Eltern haben dich erst zum heucheln erzogen, dein bester Freund ist ein Heuchler, überhaupt all deine Freunde sind Heuchler, sogar dein Liebstes heuchelt, dann Hund hechelt, die Katze tut so, und verdammt nochmal ich bin der Allergrößteoberheuchler übehaupt!

Das heucheln gehört zum Menschen wie das Leben selbst, ja, ich bin sogar bereit zu behaupten, dass das heucheln sogar der Mittelpunkt der Welt ist, dass, das die Welt Zusammenhält, und so ganz nebenbei, die Antwort auf die große Frage.

Aber was erlauben Sie sich, Herr Autor, solche Anmaßungen von sich zu geben! Man unterbiete diesen Frevel! Verbrennen solle man jeden Zettel, der diese Worte trägt.

 Hier einfach so zu sitzen, so spät in der Nacht, und diese Worte zu Papier bringen, das ist, das ist, ganz einfach FALSCH!

Ach, frage ich zurück, und was tut ihr gerade?

Ihr seid es doch, die so krankhaft behaupten perfekt zu sein, aber bitte so gut auch wieder nicht, ihr wollt doch immer alles haben, und nichts, ihr seid es doch, die meinen, hier groß in der Mitte zu stehen, aber nur ein klitzekleiner Teil vom Ganzen zu sein.

Ja meine Lieben, das Teufelswerk, das ihr seid, werdet ihr nicht so schnell los. Ihr werdet die Kaffeemaschine nicht los, die zwar total geil ist, und super guten Kaffee aus super besonderen George-Clooney Kapseln macht, aber irgendwie, neben dem Fakt, besonders super teuer zu sein, eigentlich Scheisse ist, weil sie nur Kaffee im Shotglas-Format von sich geben kann, und nja, so gut schmeckt der Kaffee auch wieder nicht. Denn wissen Sie, ein Bekannter von mir, der hat so eine große Espresso-Maschine, und immer Kaffee vom Café Havekla, der schmeckt sowas von gut, ja, ich wage es zu behaupten: „Die schmeckt besser, als der von dem George-Clooney!“ Also der Kaffee, nicht die Maschine, die schmeckt grauenhaft nach Plastik und Aluminium.

Ich glaube, lieber Leser, du weißt worauf ich hinaus will, so viel Intellekt setze ich voraus, also: Auftritt des Sozialaussteigers!

Pah! Du Hassprediger du! Ich, der große Sozialaussteiger, ich stehe vor dir! Ich habe den Ausstieg geschafft, neue Wege gefunden, ich, der Meister der Spiritualität und der Anti-Spiritualität bin da. Ich habe mich dem Konsumwahn entzogen! Ich brauch keine teuren Sachen, ganz im Gegenteil, ich zieh, ganz bewusst, Scheisse als Kleidung an, möglichst bunt und ausgewaschen soll sie sein und komisch fitzelig, und mein Frühstück, das ist mehr Bio als Frühstück und meine Kaffeemaschine? VERDAMMT NOCHMAL! ICH SCHEISS AUF DIE KAFEEMASCHINE, UND DEN GEORGE CLOONEY!

Ach, frage ich, ist das dein Ideal oder nur die Idee eines anderen? Ist denn Ausstieg aus dem Wahnsystem wirklich die Formel zum freien Leben? Wie kann denn das Gegenextrem eines Extrems gut sein? Natürlich, vor den Medien zu buckeln ist eine Sache, aber zu behaupten, nicht zu buckeln, dann sich selbst Zwänge auferlegen, die einen Buckeln lassen, eine ganz Andere. Vor allem dann, wenn nicht zu buckeln bedeutet, noch schlechter zu leben, als die Buckligen selbst.

Aber, aber! Ich leb doch gar nicht schlecht, na vielleicht, nach den Vorstellungen, die der Kapitalismus und alle seine Jünger uns auferlegen will, aber um Geld geht’s hier nicht, hier geht’s um die INNEREN WERTE! Nicht um den Massenzwang der Massenmedien, denn ich schwimm nicht wie alle im Strom, ich schwimm tendenziell dagegen, und überhaupt!

 

Aber schwimmst du nicht mit vielen anderen gegen den Strom, ist nicht deine Art zu leben, die selbe, wie die so vieler anderer, ist nicht, zusammen nichts tun, das selbe wie zusammen zu tun?

Wo ist der Mittelpunkt zwischen tun und nichts tun? Wie kann ich weder mit dem Strom schwimmen, noch Gegen?

Wie verdammt, kann ich einfach ans Ufer, nur, um dort ein bisschen die Zehen vom Wasser kitzeln zu lassen?

Für die Antwort lass ich mir Zeit, und zwar richtig ordentlich viel davon.

Ich lass mir Zeit.

Ach!

Ach, was soll ich tun. Soll ich was Neues schreiben, oder in meinem Gehirn kramen, bis einer der halbfertigen Texte, die da im Gedankenfirmament rumschweben, auftaucht, oder soll ich einen fertigen Text überarbeiten. Soll ich den fertigen Text ganz einfach auskotzen? Vielleicht wär das besser. Aber vielleicht wär er dann auch nicht gut. Ach, schrecklich. Vor allem weil ich weiß, dass ich, sollt ich mir tatsächlich den letzten Text nochmal anschauen ganz sicher was Mieses dran find und dann? Ach das wär doch Arbeit, nicht Werk, und warum ich das unterscheid das weiß ich nicht.

 

Trotz jeglicher Vorsätze habe ich jetz doch den ärsten Akt überarbeitet, also, out now: 1. Akt 

Bücherwahnsinn und Wahnsinnsbücher

Heute, im Buchgeschäft, gleich nach dem ich das den Tag vorher bestellte Buch bestellt hatte, ging ich, nach einem belustigenden Abstecher in der Abteilung Architektur, schnurstracks auf diese unheimliche Masse von Büchern zu.

Ich staunte.

Mir war nie so bewusst gewesen, wie unheimlich viele Autoren und damit exponentiell mehr Bücher es gab. Wie groß schon alleine die Fantasy ist, und das Science-Fiction-Zeug. Ich schritt vorbei an Tausenden von Werken, wobei mir klar wurde, dass in jedem einzelnen das Schweiß und Blut tapferer Autoren steckte, die alles für ihr Werk taten.

Ich schwanke. Mir kam der Gedanke, dass es von mir fast ungerecht gegenüber all diesen Schriftstellern ist, von vornherein anzunehmen, dass meine Bücher Erfolge werden. Jetzt nicht im negativen Sinn, nein, ganz und gar nicht! Es ist mir zwar immer noch klar, das ich von meinen Büchern leben möchte, und diese somit Erfolge werden, doch noch viel, viel schöner ist der Gedanke, das ich all diese wunderbaren Werke irgendwann lesen kann, und wenn es nur ein Bruchteil davon wäre. Das ich ein Teil von einem ganzen werde, von einem Mechanismus, einer Synergie zwischen Lesern und Autoren.

Ich kann tatsächlich mehr als nur ein paar Euro zurückgeben, ich kann das geben, was ich selbst, wirklich zurück haben wollen würde, nämlich, ganz einfach, neuen Lesestoff.

Stoff. Richtig gehört. Bücher sind meine Droge, das merke ich. Sie saugen mich auf, rauben mir Stunden meines Schlafes, lassen mich schlecht aufstehen, und müde durch den Tag wandeln. Trotz meiner Buchverursachten Müdigkeit zieht es mich trotzdem wieder zu ihnen, und ich gebe mich voll und ganz ihnen hin.

Wobei, das waren dann schon alle Nachteile des Lesens. Ansonsten hat es nur Vorteile. Prokrastination  in Perfektion.

Auf jeden Fall war das heute eine eindrucksvolle Situation, sie hat mir in der Summe klar gemacht, wie unheimlich vorhanden die ganze Buchszene ist, obwohl, Stichwort Pisastudie, über das Lesen immer nur gejammert wird, weil es ja vor allem die Kinder viel zu wenig tun.

Das ist dann auch schon das Thema für den ersten Akt des „Oh Gott wir leben noch“-Stücks: „Volksverdummung auf Grund von Lesemangel“; Die Leute, die man in so einem Buchladen trifft und sieht, haben auch noch einen eigenen Eintrag verdient, dass darf ich nicht vergessen und wird hiermit verewigt.

Eternitas und Avatar

Eigentlich großartig, das ganze Konzept mit dem Avatar. Ein durch menschliche Hand erschaffenes Wesen, stärker als der Mensch selbst, schneller und größer, und noch dazu besonnener, weil mit dem grauslichen Krabbelhaaren versehen, mit dessen Hilfe mit Allem kommuniziert werden kann, vor allem mit Bäumen.

Fast schon perfekt, dieser Avatar, richtig evolutionär, dieser Avatar.

Noch ein Schwänzchen zwischen die langen Beinchen, und die Evolution ist, in Perfektion, neu erfunden.

Und ein neuer Fetischismus gleich dazu.

Ach, Fragt man.

Das wars? Ficken und ein bisserl Evolution?

Pah! Es fängt gerade erst an. Der Avatar ist nicht nur ein besserer Basketballspieler, der die Schwarzen und die Deutschen vom Feld drängt.

Der Avatar ist Eternitas!

Wer alt wird, der wirds, weil der Körper ein Wegwerfprodukt ist, und kein für die Ewigkeit geschaffenes. Wenn jemand aber einfach so, BZZ! SPRATZ! UND LEUCHTRÖÖÖHRE!, den Körper wechseln kann, dann bedeutet das, dass der Körper, mit Verlaub, wurscht ist. (Imwahrstensinnedeswortes btw)

Ewigkeit.

Un-endlichkeit .

Was das bedeutet.

Unendliche Weisheit! Perfektion in unbegrenzter Möglichkeit! Grenzenloses Sein!

Sein oder nicht Sein? Sein!, und zwar für immer, HA!

Man wäre so gescheit, dass das Gehirn irgendwann platzen müsste!

BÄM!

Da is er schon, der Haken an der ganzen Sache!  Das vermaledeite  Gehirn.

Verdammt. Doch kein Eternitas? Das geht alles gar nicht?

Denn, wie verdammt, hat der Kerl im Film es geschafft, Erinnerung, Warnehmungen, Wissen und überhaupt alles, einfach so, naht und drahtlos, von einem Hirn ins andere zu transferiern?

Einfach so spratz und zack? Pah! Unmöglichkeit! Denn, selbst wenn man davon ausgeht, dass der Avatarist das ganze, Inceptionstyle, ganz einfach besonders lebensnah träumt, kann er sich dass alles nicht einfach so merken. Wie auch? Wann soll denn das Gehirn, zwischen Traum und Wirklichkeit, die Zeit gehabt haben, dass, wenn überhaupt vorhandene Kurzeitgedächnis, ins Langzeitgedächnis zu verschieben.

Erklär das mal James Camaron!

 

PostScriptum: Was, Aeternitas schreibt man nicht so?  Mir egal, ich schreibs anders!

Swag

7 Uhr, Wien, Winter, kalt, Bustation

Ein Hauch von Schneeflocken treiben in der Dunkelheit des morgendlichen Windes. Es war einer der Tage, an denen ich rechtzeitig außer Haus kam und warten musste. Ich bin müde und des Wartens Müde.

Endlich. Im Westen leuchten 2 Scheinwerfer auf. Und noch darüber 2 Lämpchen? Und die dumpf und grün beleuchtete Anzeigetafel dazwischen? Ich seh ja nix, ohne Brille, ist aber egal, weil eh Bus und eh OK.

Einsteigen.

Kurzes mustern der Fahrgesellschaft.

Eine ältere, fette Frau mit kurzem billig rot gefärbten Haar und ein Junge, blass, 14-16 Jahre, schwarzes, fettiges Haar im Russen-Stil. Sie sitzen Schräg zu einander, im 90° Grad Winkel.

Die Stechen heraus aus dem Menschenbrei.

Die reden.

Die kennen sich.

Anomalie!

 

Hinsetzen, vis-a-vis der Anomalie.

Eine Ausgabe des zweitschlimmsten Zeitungsexemplar der Stadt liegt da. Fett prangert Moneyboys Fresse darauf, nebst Verweis auf den Artikel. „Was ist Swag?“ fragt  die Stimme der Volksdummheit.

Der Junge blickt zu Boden. Die Frau liest die Zeitung.

Ich siniere über Moneyboy und seinen Swag, seinen unübersehbaren Erfolg, den Fakt, das ich ihn schon mal in Real gesehen hab, am Schwedenplatz. Der Typ ist riesiggroß und noch hässlicher, als jedes Foto vermuten lässt.

Der Junge blickt zu Boden. Muss interessant da unten sein, also schau ich auch hin, doch da ist nichts, ich begreife scheinbar nicht die Tiefgründigkeit des vor Dreck und halbgefestigten Wasser triefenden Plastikbodens.

Der Junge blickt zu Boden. Die Frau sieht auf.

Ich auch.

„Weist du was das ist, Swack, hm?“ fragt sie.

Der Junge blickt zu Boden.

Der Junge blickt die Frau an.

Der Junge blickt zu Boden.

„Nein.“ röchelt er, und schüttelt leicht den Kopf, gerade so, dass man es noch bemerkt.

„Hm.“, fiepst die Frau.